Orgeln in Ehingen

Ende Oktober 2003 konnte nach einer sechsmonatigen Bauphase die Link-Orgel in der Ehinger Liebfrauenkirche, die einzig historische Orgel in der Stadt, eingeweiht und ihrer kirchlichen Bestimmung übergeben werden. Notwendig wurde die tiefgreifende Instandsetzung dadurch, daß das Instrument seit seiner Entstehung im Jahre 1886 nie umfassend saniert oder gepflegt wurde. Hinzu kam, daß die Orgel in den 60er-Jahren dem gerade vorherrschenden Zeitgeschmack entsprechend umgestaltet wurde.
Glück im Unglück hatte die Gemeinde jedoch: Nur zwei Register (leider auch die teuersten, nämlich eine Trompete 8’ und ein Violonbaß 16’) von 15 sowie die Prospektpfeifen (Principal 8’ und Geigenprincipal 8’) waren vollständig abgängig, die restlichen Register haben entweder original oder in veränderter (d.h. abgeschnittener) Form und anderen Konstellationen „überlebt“ – Detektivarbeit und zugleich Puzzlespiel für den restaurierenden Orgelbauer E. Wiedenmann, Oberessendorf.
Da das Firmenarchiv Link von den Orgeln dieser Zeit keine Unterlagen mehr besitzt (ein Teil des Archivs wurde ein Raub der Flammen), war man bei der Rekonstruktion der originalen Disposition auf Befunde am Instrument angewiesen. Bestätigt wurden diese durch einen Kostenvoranschlag von 1938 über eine Pneumatisierung der Orgel. Glücklicherweise wurden diese Arbeiten nie ausgeführt, die Kegelladen blieben mechanisch. Zur Originalsubstanz - und daher weitestgehend original erhalten - gehören ferner die Windladen, das vollständige Gehäuse, die Traktur und der Spieltisch. Neu angefertigt wurden die Windversorgung sowie Zugangsmöglichkeiten zum Pfeifenwerk (Gangbretter und Leitern). Anhand noch existierender Instrumente von Link aus den 80er-Jahren des 19. Jahrhunderts konnten Mensuren und Bauweise für die zu ergänzenden Pfeifen aufgenommen werden. Durch die nun wieder originale Disposition (Seltenheitswert bei dieser Werkgröße besitzt die Hauptwerkstrompete, aber auch der zweite 16’ im Pedal, ein Violonbaß) mit ihrer breiten Grundstimmenpalette, durch eine ausreichende Windversorgung und die intonatorische Rückführung aller Originalpfeifen auf die ursprüngliche Klangintention hin besitzt diese Orgel mit nur 15 Registern ein erstaunliches Klangpotential. Flöten und Streicher werden durch die hervorragende Raumakustik noch veredelt, durch die (wieder) freie Windversorgung und die terzhaltige Mixtur kann man von einem historischen Klangbild sprechen.
Die Gemeinde St. Blasius, die Stadt Ehingen und der Alb-Donau-Kreis haben ein schönes historisches Orgelwerk zurückerhalten; die Firma Wiedenmann hat sich durch ihre qualitätvolle bis detailversessene Restaurierungsarbeit ein Vorzeigeobjekt geschaffen.

Pedalwerk [C - d'] Manual I Hauptwerk [C - f3] Manual II Nebenwerk [C - f3]
Subbaß 16 Bourdon 16 Geigenprincipal 8
Violonbaß 16 Principal 8 Gedekt 8
Octavbaß 8 Flöte 8 Salicional 8
II/P Viola da Gamba 8 Fugara 4
I/P Octave 4
Traversflöte 4
Mixtur 2 2/3
Trompete 8
II/I

1962, Am Vorabend des II. Vatikanischen Konzils wurde die Ehinger Konviktskirche tiefgreifend umgestaltet. Ausgehend vom Grundriss des Griechischen Kreuzes befindet sich nun der Volksaltar in der Mitte der Kirche, Seitenaltäre wurden entfernt, ebenso die Empore über dem Eingangsportal einschließlich Orgel. Die Fa. Späth, Ennetach, errichtete eine neue Orgel an akustisch wie klimatisch ungünstigster Stelle, über eine elektrische Traktur ist das Werk mit dem ebenerdig platzierten Spieltisch verbunden. Im Zuge der Kirchenrenovation 2015 wurde die Orgel von der Fa. Wiedenmann ausgereinigt und technisch instandgesetzt.

Pedalwerk [C - f'] Manual I Hauptwerk [C - g3] Manual II Schwellwerk [C - g3]
Subbaß 16 Prinzipal 8 Gedeckt 8
Oktavbass 8 Gemshorn 8 Weitprinzipal 4
Bassflöte 4 Oktave 4 Blockflöte 4
Rauschbass 2f. 2 2/3 + 2 Rohrflöte 4 Oktave 2
Trompete 8 Nasat 2 2/3 Sifflötenquint 1 1/3
I/P Waldflöte 2 Cymbel 3f. 1/2
II/P Terz 1 3/5 Vox humana 8
Mixtur 4f. 1 1/3 Tremolo
Dulzian 16
II/I

Die große Orgel in der Stadtpfarrkirche St. Blasius ist im Zeitgeist der Orgelbewegung der 60er-Jahre entstanden. Sie wurde 1966 von der Fa. Späth aus Ennetach erbaut und 1997 von OBM E. Wiedenmann im Anschluß an die große Kirchenrenovation ausgereinigt und intoniert.


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